AF Ernst

AF Ernst, Ich begann nach einem Schlüsselerlebnis in Barcelona im Jahre 2001, obsessiv zu malen. Ein Kreativstau hatte sich Bahn gebrochen, der nun endlich einen künstlerischen Ausdruck fand.

Es wurde unzweifelhaft klar, dass ich malen muss. Die Erfahrung, das tun zu wollen, was ich tun muss, und was ich tun muss, auch tun zu wollen, lässt sich nur mit dem Wort „Glück“ beschreiben. Es hatte sich ein Kreis geschlossen, der bis dato stets tief in mir auf „Erlösung“ gewartet hatte. Es hatte in meiner Biografie Verstellungen gegeben, die es mir nicht möglich gemacht hatten, dieser künstlerischen Berufung (z. B. in Form eines Kunststudiums) zu folgen.

Ich hatte im Rahmen familiärer Konstellationen mit 18 Jahren eine Ausbildung zum Optiker abgeschlossen, in unbändigem Drang, mich weiterzubilden, das Abitur nachgeholt, Medizin studiert und anschließend Facharztausbildungen zum Psychiater, Psychosomatiker und Psychotherapeuten absolviert. Im Jahre 1983 promovierte ich und eröffnete im Jahre 1991 meine eigene Facharztpraxis.

Die Entscheidung, Psychiater zu werden, kam dem Wunsch, der Notwendigkeit, „hinter die Kulissen zu schauen“, sehr nahe, waren doch in diesem Zusammenhang die Suche nach Authentizität und die Fragen zu unserer menschlichen Existenz gefordert. Diesen Beruf übte und übe ich bis heute mit Engagement, Freude und mit Leidenschaft aus. Und auch die Ausbildung zum Optiker ergab plötzlich einen tieferen Sinn: Es ging und geht mir um das Sehen, das Wahrnehmen und Erkennen, um die Frage, ob das, was wir sehen, erkennen und wahrnehmen, ob die Erscheinungen, die sich uns darstellen, die sogenannten realen, alles sind oder ob sich hinter ihnen nicht noch anderes verbirgt. Und wenn ja, was sich hinter ihnen verbirgt. Es wurde mir immer deutlicher, dass es einen nonverbalen, vielleicht spirituellen Hintergrund gibt, der sich für mich nur durch Kunst erschließen lässt.

Maria Lassnig sagte: „Es gibt zu wenig Worte, deswegen male ich ja.“ Dieser Satz kommt meiner Motivation, kreativ zu sein, sehr nahe. Und auch das Kinderbuch „Higgelti Piggelti Pop! Es muss im Leben mehr als alles geben“ bringt bezüglich meines Bestrebens mein Schaffen auf den Punkt. Im Anschluss an das oben erwähnte „Barcelona-Erlebnis“ entstanden in wenigen Jahren in Tag- und Nachtarbeit mehr als 40 (meist großformatige) Ölgemälde, die fast ausschließlich das Thema „Mensch“ bzw. „Menschsein“ zum Thema haben und sich mit meinen oben beschriebenen Intentionen beschäftigen. Bei meinem Tun erinnerte ich mich an mein kreatives Schaffen als Kind, Jugendlicher und junger Erwachsener, und ich stellte fest, dass sich an den Zielen, meinen Ausdruck zu finden, eigentlich nichts geändert hatte: Schon damals wie heute beschäftigt(e) es mich, was passiert, wenn bereits Entstandenes, geschaffene Formen (und Farben) wieder aufgelöst, modifiziert oder gar zum Verschwinden gebracht werden. (William Kentridge: „Es lässt sich nichts radieren.“)

Als Motive/Modelle wählte ich meist Menschen aus meiner Umgebung und Nähe oder ließ mich von alten und neuen Meistern der Kunst inspirieren. In einer darauffolgenden Phase (etwa ab 2003/2004) entdeckte ich, dass sich meine meist quadratischen Arbeiten zu neuen (kleineren oder größeren) Arbeiten „zusammensetzen“ lassen und damit zu neuen, eigenen Werken werden, zu Serien und Reihen, die durch weiteres Übermalen erneut modifiziert werden. Dabei setzte ich mich auf mehreren und sich ständig reproduzierenden und immer wieder modifizierten Ebenen mit dem Thema Entgrenzung auseinander. Die Bilder aus dieser Phase erscheinen zunächst wie Meditationsbilder – was sie in gewisser Weise auch sind – oder Mandalas und verweisen so auf innere Einkehr, Besinnung, Reflexion und Spiritualität. Doch entwerfen diese Gemälde auch eine zeitlich-räumliche sowie psycho-physische Entgrenzung.

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